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Ralph Merschmann
Ralph Merschmann "Saphir" Neue Bilder 03.06. - 25.06.2016
"Die Farbe wird nicht aufgetragen. Sie wird in einer sehr speziellen Technik aufgebracht. Ralph Merschmann taucht ein kreisrundes Behältnis flüchtig in einen Farbtopf und setzt es sogleich auf die Bildfläche. Die Farbhaut, die sich beim Eintauchen durch die Oberflächenspannung des Materials gebildet hat, überträgt er so in einem Nu als kreisrunde Farbfläche auf den Bildgrund. Ein Kuss der Farbe auf dem Bildträger - so wurde seine Technik anschaulich beschrieben.
Punkte und Kreise sind seit je Merschmanns Bildmodule. In der Ausstellung in der Galerie G in Freiburg kommen Linien hinzu. In manchen Bildern verbinden sich die Module in ein und demselben Bild zu Mischformen. Man hat die sehr eigenwillige Malerei des in Köln lebenden Ulrich-Erben-Schülers mit so unterschiedlichen Vorbildern wie der Ikonenmalerei und der Pop-Art in Verbindung gebracht - Vergleiche, die tragen. … Viele Bilder tendieren zum Bildobjekt wie eine Malerei, in der das Raster der Farbkreise sich an den Seiten in ausgeschnittenen Kreisen virtuell fortsetzt. Auch sonst scheint die Welt der Pixel, Bits und Bytes als dezent verschwiegener Bezugsrahmen auf.
Deren wesentliches Thema das Ornament ist und war, noch ehe es in der Gegenwartskunst nicht länger als Verbrechen diskreditiert, ja die Beschäftigung mit ihm geradezu zur Mode wurde. Allerdings entfaltet sich bei Merschmann zugleich ein dialektisches Spannungsverhältnis, indem wesentliche Kennzeichen des Ornaments wie Regularität, Symmetrie und rasterartige Wiederholung an den Rand ihrer Eliminierung geführt werden. Serialität gerät aus den Fugen, die Teile verselbständigen sich. So gibt die strenge Ordnung des Ganzen das Regiment aus der Hand. Die Folge ist ein Eindruck glorioser Buntheit. Etwa wenn in einem Linienraster ohne erkennbare Gesetzmäßigkeit in der Abfolge der Farben auch die Linien selbst sich hier verdünnen, dort wieder verbreiteten - Kontraktion und Extension, eine Art (Goethe'sche) Systole und Diastole: Merschmanns Bilder beginnen zu atmen."
Hans-Dieter Fronz in: Badische Zeitung, 11. Juni 2016 (Ausstellungsbesprechung)

 

Aus der Ausstellung