Annette Merkenthaler
* 1944 in Bayrischzell
lebt und arbeitet in Freiburg

Bilder von Reisen – Bilder auf Reisen

Annette Merkenthaler reist mit leichtem Gepäck – mit Fotos, mit Erinnerungen, mit Vorstellungen und nimmt uns mit an Orte, die sie neu entstehen lässt, die uns fremd und doch seltsam vertraut erscheinen. 
Sie gibt uns unverhofft das Gefühl, schon einmal da gewesen zu sein oder uns dort hin zu wünschen. Wir gehen lautlos durch stille Räume und stehen oft vor einem blassen Bild, neben Vorhängen, die halb zugezogen sind und doch etwas von den Geschichten dahinter aufscheinen lassen. 
Wir beziehen eine geheimnisvolle Freude aus dem Entdecken und Wiederfinden. „Hinter den Gärten“ ist ja nicht nur ein ferner, lockender Ort sondern auch eine Metapher für Vergänglichkeit. Wir wissen, dass die Zeit uns widerstrebt und haben Lust, sie aufzuhalten: 

verlorene Zeiten – gefundene Bilder:
-eine Uhr, bei der die Stunden in den Zeiger schrumpfen,
-das Foto der Mutter – nur mehr blassblaue Kontur,
-jemand am Schreibtisch neben der Palme lebend, ohne weißen Sand unter den Füßen,
-etwas, das war, als Leerstelle im Beton,
-Säulenpracht, aber verwuchert sind im Garten alle Pfade.

Es ist ein seltsames Wachsen und Blühen. Jahres- und Tageszeiten gibt es nicht. AM streut gern noch ein bisschen sibergrauen Flor über den Dunst, Schnee kann aussehen wie die Sonne im Juli oder wie eine blühende Nacht. Der Dschungel ist drinnen – Linienlianen umschlingen Schränkchen und Glühbirnen. AM schafft einen Zustand von Erwartung: Was kann dahinter und drinnen sein? 

AMs Arbeit ist ein komplexer Prozess: Sie denkt Bilder. Ihre Garten-Bilder zwischen Mexiko und Freiburg sind Dialog-Bilder, wechselseitig miteinander verwoben, vielschichtig aufgebaut. Ein Ort wird erkannt und bestimmt, etwas Charakteristisches eingefangen und zugleich in eine Art Schlafzustand versetzt. Diesen Zustand nimmt AM mit auf Reisen und erweckt ihn mit ihrem künstlerischen Blick wieder, indem sie ihn in Dialog mit einem ganz anderen Ort bringt. Das ursprüngliche Foto wird ausgesetzt, bekommt neue Gegenspieler und wird nun erst zum Bild. Vertrautes wird fremd gemacht und wieder anverwandelt. An einem Ort erscheint ein anderer Ort, der auf irgendeine Weise mit ihm korrespondiert. Es gibt den Dialog im Bild und den Dialog der Bilder; einzelne Bilder verweben sich zu Geschichten.

AMs Blick ist wie ihre Arbeit: vielfach ‚dazwischen’, zwischen oben und unten, zwischen hoch und tief, offen und geschlossen, zwischen unspektakulär und außerordentlich suggestiv, zwischen natürlich und künstlich, zwischen Illusion und Realität. Flüchtig ist ihr Blick niemals.

Gudrun Selz/Freiburg/2009

 

 

 

Arbeiten
Cuernavaca/Freiburg digital print auf Folie  2002/05

Cuernavaca/Freiburg digital print auf Folie 2002/05

 

 

Freiburg/Cuernavaca  digital print auf Folie  2002/05

Freiburg/Cuernavaca digital print auf Folie 2002/05

 

 

Freiburg/Cuernavaca  digital print auf Folie  2002/05

Freiburg/Cuernavaca digital print auf Folie 2002/05

 

 

Rosa Rose u. Rosenbilder Farbfotos Rosen 2005

Rosa Rose u. Rosenbilder Farbfotos Rosen 2005

 

 

Freiburg/Cuernavaca  digital print auf Folie  2002/05

Freiburg/Cuernavaca digital print auf Folie 2002/05